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Hightech mit Handkurbel

oder wie ein Computer die Welt retten soll. Von der Idee zum Erfolgsprojekt – Wie sieht die Praxis der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aus. Ein Seminarbeitrag am Fachgebiet Planen und Bauen in außereuropäischen Regionen von Prof. Dr. rer. pol. Dipl.-Ing. Kosta Mathéy & Dipl.-Ing- Joanna Kotowski-Ziss (SUM Consult Wiesbaden).

Von der Idee zum Erfolgsprojekt - Wie überbrückt man die digitale Kluft, bevor aus ihr ein unüberwindbarer Graben geworden ist? Glaubt man Nicolas Nogroponte, Gründer und Direktor des MediaLab am MIT, dann lautet seine Antwort: Schülern der dritten Welt soll bezahlbare Hard- & Software zur Verfügung stehen, damit sie an der Informationsgesellschaft teilhaben können. Praktisch formuliert bedeutet dies: Entwicklung und Bau eines 100-Dollar-Laptop. Das Non-Profit-Project »one laptop per child« (OLPC) soll dabei nicht als karitativ Verstanden werden – es ist vielmehr Hilfe zur Selbsthilfe und setzt konsequent auf Innovationen. Auch wenn das 2005 auf dem Weltgipfel der Informationsgesellschaft der UN zusammen mit Kofi Annan vorgestellten Produkts so aussieht, es handelt sich dabei um kein Spielzeug. Kinder der dritten Welt mit einem Laptop auszustatten ist ein hochgestecktes, aber angreifbares Ziel - nicht nur wegen der Umsetzbarkeit des Vorhabens an sich, sondern prinzipiell auch wegen seiner Sinnhaftigkeit.

»China does not understand nonprofit structures, and many people just cannot believe we are doing this philanthropically.«
— Nicholas Negroponte, OLPC

Der Schlüssel zur Überwindung der »digitalen Kluft« ist eine nachhaltige Förderung der Bildung und eine Stabilisierung von Lebenseinkünften. Ich für meinen Teil halte das Projekt gerade in Schwellenländern für sehr sinnvoll. Dort wo schon die wesentlichsten Probleme des täglichen Überlebens geregelt erscheinen. Sieht man sich die ersten Kunden von OLPC an, Argentinien, Brasilien, Nigeria oder Libyen an, so ist leicht ersichtlich, dass diese Länder einen sehr unterschiedlichen »Human development index« haben. Nigeria ist faktisch eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und hat mit dringlicheren Problemstellungen als der Überwindung der digitalen Kluft zu kämpfen.

Denn ist es nicht die Handkurbel, die in ihrer archaischen Form der Krafterzeugung geradezu symbolhaft für die Dualität des Gerätes steht? Das ist das Zusammentreffen von einfachster Maschine und modernster Mikroelektronik.

Geht es allgemein um das Engagement, dann ist es eine Tatsache, dass Unternehmen wesentlich bereitwilliger auf Spendenaufforderungen reagieren, wenn es ihnen möglich ist dort Sachspenden beizusteuern. Genau so etwas sehen wir in diesem Projekt. Wenn es nur um ein Spendergeldsammeln für sauberes Trinkwasser gehen würde, wären die IT Unternehmen in den meisten Fällen gezwungen sich ausschließlich finanziell zu beteiligen. OLPC hat gezeigt, dass hier ein großer und sehr produktiv arbeitender Industriezweig in Bewegung geraten ist um etwas Nachhaltiges zu erreichen. Die Innovationen, die für den XO erschaffen worden sind werden als Unternehmensgewinn auch uns zugute kommen, wenngleich nicht im Rahmen eines non-profit Projektes.

Die Digitale Kluft ist nicht nur einfach ein Symptom des offensichtlichen wirtschaftlichen Abstandes der Industrienationen zu den Schwellen und Entwicklungsländern. Es handelt sich herbei viel mehr um einen Wissensabstand, der ohne geeignete technologische Maßnahmen nicht mehr überwunden werden kann.
Unser Wissen hat sich symbiotisch mit Hightech untrennbar verwebt. Diese Situation entspricht vielmehr der gesellschaftlichen Lage Europas im Mittelalter. Die intellektuelle Oberschicht verbreitete Ihr Wissen und damit verbunden auch Ihren Machtanspruch unter Zuhilfenahme einer Sprache, die der Großteil der zumeist armen und ungebildeten Bevölkerung weder verstand noch selbst die Mittel dazu hatte eigene Informationen in diesem System dauerhaft zu hinterlegen.

Unser Wissen hat sich symbiotisch mit Hightech untrennbar verwebt

Auszug aus dem 22Seiten starken Seminarbeitrag
Bilder: OLPC press release

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Name

Client
Type
Media
Year

S702
Wahlpflichtfach »Die Praxis
der deutschen Entwicklungszusammenarbei«
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educational project
graphic design
2006